WIRBELSÄULE

Wenn die Wirbelsäule (der Rücken) schmerzt, ist es oft die Psyche.

Die Wirbelsäule ist der Teil des Körpers, der ständig unter Dauerbelastungen steht und uns sehr viele Probleme bereitet. Wenn Rückenschmerzen auftreten, kann es aber nicht nur körperliche Ursachen haben, sondern auch eine “Kopfsache” sein: Durch seelische Belastungen treten häufig Schmerzen und Beschwerden rund um die Wirbelsäule auf; die Rückenschmerzen können sich dann verstärken oder chronisch werden. Der Hausarzt, Schmerztherapeut, Nervenarzt oder der Orthopäde können dann hilfesuchend kontaktiert werden.

“Man will ja wissen, warum der Rücken Probleme macht und was los ist. Somit hat man nichts einzuwenden, wenn der Arzt einen zum Röntgen schickt oder gleich in die Röhre (MRT oder CT) schieben lässt, damit einmal die Wirbelsäule durchgecheckt wird. Die Hoffnung ist endlich Klarheit zu bekommen. Mitunter ist die Enttäuschung jedoch groß; die Röntgenbilder der Wirbelsäule diagnostizieren nichts oder einen Sachverhalt der nicht mit der Schmerzerkrankung übereinstimmt.

Beschwerden an der Wirbelsäule (Rückenschmerzen) haben häufig keine schwerwiegenden körperlichen Ursachen. Ungefähr 85 Prozent der diagnostizierten Fälle (Rückenschmerzen) bessern sich innerhalb von zwei bis drei Wochen auch ohne operative Behandlung.

Lang anhaltende Schmerzen an der Wirbelsäule bei psychischen Belastungen

Einige Patienten werden ihre Schmerzen nicht mehr los, obwohl bei ihnen häufig körperlich alles in Ordnung ist. Jetzt wird es höchste Zeit genauer hinzuschauen. Doch nicht nur auf die Wirbelsäule – sondern auch auf den “Kopf”. Denn die Psyche spielt eine große Rolle bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Die seelischen Belastungen können nicht nur zur Entstehung der Schmerzen beitragen, sondern diese auch unterhalten.

Im nächsten Schritt kommt es darauf an, wie der Patient mit dem Schmerz umgeht: Fühlt er sich beeinträchtigt oder sieht er eine Katastrophe darin? Will und/oder kann er nicht mehr arbeiten? Sind ihm Freude und Antrieb verloren gegangen? Hat er beruflich oder privat große Belastungen zu stemmen? Ist er einsam und isoliert? Lautet die Antwort bei einem oder mehreren der Punkte ja, steigt das Risiko, dass die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule bleiben und ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entsteht.

Durch Vermeidung entsteht ein Teufelskreis.

Durch die Schmerzen wird die Angst sehr groß, dass durch Bewegungen alles noch viel schlimmer wird. Deshalb bewegen sich die Betroffenen sehr wenig. Das wird auch als Vermeidungsverhalten (Angst vor erneuten Schmerzen) bezeichnet. Die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule führen zu weniger Aktivität und zu einer Schonhaltung. Das schwächt wiederum das Selbstvertrauen und depressive Gefühle werden hervorgerufen. Die langfristige Folge der Inaktivität ist, dass das Gehirn ohne entsprechenden Reiz Schmerz meldet.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Seele und Schmerzen. Deshalb sollten Ärzte bei den Patienten möglichst frühzeitig psychosoziale Ursachen klären: Hat der Betroffene sehr viel Stress im Beruf oder liegt etwas in seinem privaten Leben im Argen?

Es ist besser, den Betroffenen zu beruhigen als zu verunsichern.

Die Betroffenen sollten von ihrem Arzt erfahren, dass ihre Beschwerden gut zu behandeln sind und es gute Aussichten auf Besserung gibt. Die Betroffenen sollten weiterhin aktiv bleiben und ihren Rücken (Wirbelsäule) nicht schonen. Zunächst ist erst mal Beruhigung gefragt, sonst kann es die Betroffenen noch weiter verunsichern und das Risiko steigt, dass die Beschwerden chronisch werden.

Reden hilft mehr als Röntgenbilder

Betroffene wollen häufig ganz genau wissen, was im Bereich um ihre Wirbelsäule nicht stimmt. Häufig bedarf es keiner Röntgenbilder und/ oder einer Untersuchung im MRT, um einen gefährlichen Krankheitsverlauf auszuschließen. Meistens reicht eine Untersuchung und ein ausführliches Gespräch. Ohnehin gibt es häufig keinen direkten Zusammenhang zwischen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule und den Beschwerden. Der Verschleiß der Wirbelsäule erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit von Schmerzen, muss aber nicht zwingend dazu führen.

Warum werden dann so viele teure  Aufnahmen von der Wirbelsäule gemacht? Ein motivierendes Aufklärungsgespräch und eine körperliche Untersuchung ist häufig aussagekräftiger als eine bildgebende Diagnostik.

Unser Gehirn ist falsch programmiert.

Die Betroffenen könnten vor dauerhaftem Leid bewahrt werden, wenn sie wüssten, wie stark das eigene Erleben und die seelische Verfassung ihr Schmerzproblem beeinflusst. Man könnte dann frühzeitig gegensteuern.

Wie ein Betroffener mit Schmerzen zurechtkommt, hängt stark von seinem im frühen Kindesalter erworbenen Bindungsvermögen ab. Wer sich selbst und auch anderen nicht viel zutraut, hat dabei “schlechtere Karten”. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung nicht stabil gebunden und bei den chronischen Schmerzpatienten sind es zwei Drittel. Der Schmerz und der Stress werden in der benachbarten Gehirnregion verarbeitet. Wer also früh Stress durch Zurückweisung von Bezugspersonen erlebt hat und somit nicht stabil gebunden ist, empfindet dadurch leichter Schmerz.

Es gibt verborgene Zusammenhänge.

Der Zusammenhang zwischen Körper und Psyche liegt deutlich auf der Hand, wird aber häufig erst von einem Experten erkannt. Betroffene selbst können zunächst keinen konkreten Auslöser für ihre Schmerzen benennen.

Wird von einem Experten “nachgebohrt”, erzählt der Betroffene, dass seine Frau mit den zwei Kindern ausgezogen ist und gerade ein Sorgerechtsstreit läuft. Das belastet den Betroffenen stark und es fördert die Krankheitsentwicklung. So etwas muss unbedingt bei der Therapie berücksichtigt werden.

Bei vielen der Betroffenen mit Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, sind Kopf und Körper längst auseinandergedriftet. Vielen ist dabei gar nicht bewusst, dass ihr Geist stets auf Hochtouren läuft und sie an tausend Dinge denken. Sie sind somit, nie im “Hier und Jetzt” und kommen nicht zur Ruhe. Der Großteil der Betroffenen mit chronischen Beschwerden spürt nicht mehr, wie sich seine Rückenmuskulatur unter Stress verspannt. Sie bleiben trotz Beschwerden zum Beispiel acht Stunden am Stück am Schreibtisch sitzen.

Die Meditation löscht unser Schmerzgedächtnis.

Die Betroffenen müssen lernen, wie sie ihr verloren gegangenes Gefühl für den eigenen Körper wieder bekommen. Somit setzen Schmerzexperten auf Meditation, Yoga und Achtsamkeitstraining. Was im ersten Augenblick nach Esoterik und Modewelle klingt, hilft sehr vielen Betroffenen mit dem chronischen Schmerz im Bereich der Wirbelsäule besser umzugehen.

Die Studie aus dem Psychiatry Research Journal zeigt, dass Menschen besser auf Stress reagieren, die an einem Achtsamkeits Kurs teilnahmen, bei dem  verschiedene Methoden gelehrt wurden. Somit zeigt die Studie zum Beispiel, das sowohl achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR siehe Quelle) als auch Verhaltenstherapie bei nicht-spezifischen Schmerzen an der Wirbelsäule besser wirken, als die übliche Behandlung mit Schmerzmitteln und der typischen Krankengymnastik.  Untersuchungen machen dabei deutlich, wie sich das Gehirn der Betroffenen mit anhaltenden Schmerzen durch Meditation wieder verändert; das Schmerzgedächtnis wird ausgelöscht.

Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) ist ein von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn in den späten 1970er Jahren in den USA entwickeltes Programm zur Stressbewältigung durch gezielte Lenkung von Aufmerksamkeit und durch Entwicklung, Einübung und Stabilisierung erweiterter Achtsamkeit. Teile des Programms werden u. a. im Rahmen verschiedener verhaltenstherapeutischer und psychodynamischer Psychotherapie Methoden eingesetzt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeitsbasierte_Stressreduktion

Sie sollten ein Experte für ihre Erkrankung werden.

Sie sollten sich weitgehend über ihre Erkrankung informieren und dabei lernen, mit den Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule besser umzugehen.

Es gibt spezielle Therapieprogramme vor allem in Kliniken; diese dauern dann bis zu vier Wochen und werden häufig stationär durchgeführt. vita nova kliniken

Neben einer Bewegungstherapie liegt der Schwerpunkt auf der psychologischen Betreuung. Die Patienten sprechen viel über die Zusammenhänge von Körper und Seele, von Stress und Schmerzen und sie trainieren achtsam zu werden.

Wenn der Schmerz im Bereich der Wirbelsäule erst einmal chronisch geworden ist, reicht eine rein körperliche Therapie nicht aus.

Um psychosomatisch bedingte Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule zu verhindern oder zu beheben, sind Bewegung und Entspannung sehr hilfreich. Demnach ist es gut mehr körperliche Aktivität im Alltag – idealerweise in der Natur – und Strategien zur Stressbewältigung sowie progressive Muskelentspannung einzubauen. Dies trägt dazu bei, Ängste und Anspannungen abzubauen, eine Kräftigung der Muskulatur zu bewirken und die Stimmung aufzuhellen. Wenn das nicht ausreichend hilft, sollte professionelle Hilfe durch einen Facharzt für Schmerztherapie und gegebenenfalls einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Psychosomatik möglichst bald in Anspruch genommen werden. Psychosomatische Störungen und Erkrankungen sind gut behandelbar. In den vita nova kliniken stehen dabei psychotherapeutische Maßnahmen, die durch Körpertherapie, Bewegungstherapie und Kunsttherapie ergänzt werden, zur Verfügung. Wichtig ist dabei, gemeinsam mit dem Betroffenen zu erarbeiten, wie die Zusammenhänge zwischen psychischem und körperlichem Erleben sind und wie man diese verändern kann. Die Behandlung erfolgt stationär in einer Klinik. Medikamente können notwendig sein, um die Behandlung von Ängsten, Schmerzsyndromen oder Depressionen zu unterstützen.