Multimodale Schmerztherapie

Chronische, ständige Schmerzen beeinflussen nicht nur die körperliche Verfassung eines Menschen, sondern haben auch eine große Auswirkung auf das seelische Wohlbefinden. Je länger sich ein Betroffener in diesem Zustand befindet, desto stärker vertiefen sich die negativen Empfindungen in seinem Bewusstsein.  So können psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen entstehen. Auch das soziale Umfeld der Betroffenen wird in diesen Teufelskreis mit einbezogen. Die Betroffenen, die ständig dem Schmerz ausgeliefert sind, ziehen sich oft zurück. Daher sollte eine erfolgversprechende Schmerztherapie nicht nur den Schmerz behandeln, sondern sich zentral die damit verbundenen Probleme konzentrieren. Deshalb ist eine multimodale Schmerztherapie der richtige Weg.

ÜBERSICHT

Therapieansätze und Therapieziele bei chronischen Schmerzen

Wenn ein Schmerz länger anhält und/oder chronisch wird, ist das Thema Schmerzfreiheit in der Schmerztherapie ein ganz hohes Ziel, das aber in den seltensten Fällen erreicht wird. Das wirkliche und ehrliche Ziel heißt Schmerzlinderung und vor allem Verbesserung der Lebensqualität. Dabei ist eine Reduzierung der Schmerzen um 30 bis 50 Prozent realistisch. Meist geht es um eine  symptomatische Therapie, die die Krankheitsanzeichen lindert.

Eine Schmerztherapie sollte multimodal (vielfältig) erfolgen, um eine  Schmerzreduktion zu erreichen. Damit kann der Schlaf verbessert werden, die Lebensqualität kann erhöht werden und die sozialen Aktivitäten, auch der Arbeitsplatz der Betroffenen kann erhalten bleiben. Verschiedene Therapiemaßnahmen werden auf die jeweils individuelle Situation des Betroffenen und seine psychische und soziale Situation abgestimmt. Hierbei werden medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieformen nach dem Motto: „Medikamente sind in der Schmerztherapie nicht alles, aber ohne Medikamente ist alles nichts“ kombiniert.

Je nach Fall und Ausprägung der Beschwerden sind zusätzlich körperliche Maßnahmen und/oder  eine Psychotherapie sinnvoll. Dabei geht es um körperliches, gedankliches und verhaltensbezogenes Üben unter ärztlicher Aufsicht. Die Betroffenen müssen lernen, ihren Schmerz zu verstehen und mit ihm auch umzugehen. Grundsätzlich ist wichtig, dass alle Therapeuten – ein Team aus Ärzten und nichtärztlichen Therapeuten– zusammen ein gemeinsames Konzept erarbeiten. Der Betroffene muss diesem breiten Therapiekonzept offen begegnen und sich darauf einlassen. Nur so kann die Behandlung langfristig Erfolg zeigen.

Die drei Säulen der multimodalen Schmerztherapie

  1. Körperliche Behandlungsansätze
  • Physiotherapie
  • Wahrnehmungsschulung
  • Körperliche Aktivierung
  • Atemtherapie
  • Krankengymnastik und Physiotherapie mit Selbstanleitung
  • Medizinische Trainingstherapie einzeln und in der Gruppe (Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining, Gerätetraining)
  • Ergotherapie
  • Kunsttherapie
  • Arbeitstherapie („work hardening“ unter ergotherapeutischer Anleitung)
  1. Psychologische Therapiemöglichkeiten
  • Schmerzbewältigungstraining
  • Training gesunden Verhaltens.
  • Partnertherapie
  • Veränderung Schmerz fördernder Bedingungen.
  • Informationsgruppen rund um den chronischen Schmerz
  • Stressbewältigungstraining
  • Erlernen von Entspannungsverfahren.
  • Training sozialer Kompetenz
  • Erlernen neuer Schmerzbewältigungsstrategien (Aufmerksamkeitsfokussierung, Imagination, Selbstinstruktion)

III. Ärztliche Therapie

  • Beurteilung und Kontrolle medizinischer Erkrankungen
  • Beurteilung apparativer Befunde
  • Medikamenten Ein- und Umstellung, sowie ggf. Reduktion und kontrolliertes Absätzen
  • Edukation = Vermittlung von Information zu medizinischen Themen der Schmerzdiagnostik und -therapie (Entstehung von chronischem Schmerz, Wirkweise von Medikamenten)
  • Vermeidung von invasiven oder operativen Verfahren während des Programms.
  • Vermittelnde Funktionen zur Förderung des Krankheitsverständnisses.
  • Erläuterung eines Krankheitsmodells, das dem Betroffenen eigenes Handeln ermöglicht.
  • Sicherstellung der Weiterführung des Konzeptes nach Beendigung der multimodalen Schmerztherapie durch Arztbrief und Absprachen mit weiterbehandelnden Ärzten und Therapeuten.

Zusätzlich können aber auch alternative Maßnahmen hilfreich sein wie z. B.:

  • Akupressur (Mit einer bestimmten Druck Massagetechnik werden die von der Akupunktur bekannten Punkte auf den Meridianen massiert),
  • Osteopathie (Funktionsstörung wie Gelenkbewegungen, Herzschlag, Atmung, Darmperistaltik werden etc. erkannt und behandelt, indem die normale Beweglichkeit wieder hergestellt, wird),
  • Hydro-(Wasserheilverfahren), Thermo-(Wärme) oder Atemtherapie sowie
  • Qigong (Atem- und Meditationstechnik, bei der Energieströme im Körper harmonisiert sowie Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefördert wird).
  • Yoga (körperliche und geistige Übungen, um mit dem Körper in innerem Frieden zu leben)
  • Klangschalentherapie*

Welche Ziele gibt es bei der multimodalen Schmerztherapie.

Dem Betroffenen soll durch diese vielfältige Therapie geholfen werden, den Alltag besser zu bewältigen und sich aus dem Schmerzspirale zu befreien. Das Ziel ist, dass Sie ihre Lebensqualität insgesamt verbessern und Ihre Arbeitsfähigkeit wiedererlangen. Der Betroffene kann sich durch die multimodale Schmerztherapie wieder auf sein Leben- und muss sich nicht nur auf den Schmerz konzentrieren. Der Betroffene lernt dadurch auch wieder Freude an Hobbys, Sport, sozialen Kontakten und der bisher nachgegangenen Arbeit zu finden. Die Steigerung seiner Fitness, der Belastung, Koordination und Körperwahrnehmung soll zudem mit der multimodalen Schmerztherapie erreicht werden. Psychotherapeutische Verfahren sollen bei den Betroffenen die  seelische Belastung verringern und eine Verhaltensänderung bewirken.

Eine Grundvoraussetzung für eine multimodale Schmerztherapie ist, dass der Betroffene auch die nötige Motivation und Akzeptanz für die verschiedenen Therapieansätze mitbringt. Zum einen ist dafür natürlich der Betroffene selbst verantwortlich und zum anderen sollen ihm aber auch die behandelnden Ärzte die Bestärkung und das Vertrauen auf den Therapieerfolg vermitteln.

Die Erfolgsaussichten einer multimodalen Schmerztherapie

Die Wirksamkeit einer multimodalen Schmerztherapie ist gut untersucht und belegt worden. Die Ergebnisse sind hervorragend und nachhaltig. Das bedeutet, dass man dem Betroffenen motivierende Erfolgsaussichten vermitteln kann und ihm somit schon Kraft und Mut vor Beginn der multimodalen Schmerztherapie mitgeben kann.

Wo kann man die multimodale Schmerztherapie durchführen?

Die multimodale Schmerztherapie kann man ambulant in einem Schmerzzentrum oder einer Schmerzklinik durchführen lassen. Diese speziellen Einrichtungen bieten ein umfangreiches Leistungsangebot an. Die betroffenen Patienten sind verschieden und haben unterschiedliche Bedürfnisse, die sich auch in der Schmerztherapie widerspiegeln und damit sehr wichtig sind. Einige der Betroffenen sind nach wenigen Wochen gut eingestellt, andere brauchen eine längere Betreuung. Das hängt im jeweiligen Fall vom Grad und der Art der Schmerzen ab. In bestimmten Fällen ist eine stationäre Behandlung in einer Schmerzklinik unausweichlich. vita nova kliniken

Wie lange die Behandlung dauert und welche Behandlung angewendet wird, ergibt sich bei Beginn der Schmerztherapie und wird für jeden Betroffenen individuell festgelegt. Bei einer multimodalen Schmerztherapie wird der Betroffene in allen Entscheidungen mit einbezogen. Chronische Schmerzen sind komplex – sie betreffen gleichermaßen den Körper und die Seele. Bei einer multimodalen Schmerztherapie behandeln die Ärzte und die Psychologen den Schmerz in allen Ebenen.

Viele der Betroffenen sind viele Irrwege gegangen und haben eine jahrelange Odyssee hinter sich. Oft ist so eine Klinik ihre letzte Hoffnung. Denn einige waren schon bei etlichen Spezialisten und erwarten dann, dass man ihnen den Schmerz einfach rausschneidet. Nur kann man chronische Schmerzen nicht einfach rausoperieren oder mit einer Pille wegzaubern.

Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter den Dauerqualen der Schmerzen. Doch ist es nur etwa die Hälfte, die damit in Behandlung sind. Viele der Betroffenen haben irgendwann das Gefühl, dass ihnen keiner mehr helfen kann. Sie nehmen ständig erfolglos Schmerzmittel und auf Dauer ist das keine Lösung!

Nur jeder zehnte Schmerz hat eine körperliche Ursache.

Chronische Schmerzen müssen von vornherein anders therapiert werden als akute. Ein akuter Schmerz ist eine perfekte Erfindung der Evolution, ohne ihn wäre die Menschheit schon längst ausgestorben. Somit ist er ein wichtiges Warnsignal, das uns zum Beispiel die Hand von der heißen Herdplatte ziehen lässt. Die andauernden chronischen Schmerzen haben ihren Überlebensvorteil verloren, sie sind eine Laune der Natur, ein Fehlalarm im Gehirn.

Der Anfang eines chronischen Schmerzes war auch mal akut. Hält so ein akuter Schmerz allerdings mehrere Monate an, sind die Nerven im Dauerstress. Der Schmerz brennt sich dann regelrecht ins Gehirn ein. Die Verletzung ist längst verheilt, aber der Betroffene spürt das quälende Pochen und brennende Ziehen immer noch. Der Schmerz hat sich von seiner Ursache getrennt. Ärzte können bei 100 Betroffenen nur rund zehn eine spezifische körperliche Ursache zuordnen, etwa eine kaputte Bandscheibe oder einen eingeklemmter Nerv.

Nicht nur Symptom, sondern Krankheit

Ein chronischer Schmerz ist so wie ein Ohrwurm: „Die Musik ist bereits vorbei, aber im Gehirn hören wir sie weiter.“ Wir dürfen den Schmerz nicht ignorieren, sonst tritt er seine neuronalen Pfade aus und ein Schmerzgedächtnis entsteht. Es braucht dann nur kleinste Reize, die das überaktive Schmerzsystem anfeuern, als hätte jemand am Radio die Musik lauter gedreht. Der Schmerz führt dann über die “Autobahn” ohne Umwege ins Gehirn.

Es steht fest, dass der chronische Schmerz seine Spuren im gesamten Gehirn hinterlässt. Akuter Schmerz ist primär in den sensorischen Hirnregionen aktiviert, chronische Schmerzen sind vor allem in Hirnarealen sichtbar, die für die Verarbeitung emotionaler Prozesse zuständig sind. Somit führen chronische Schmerzen zu dauerhaften funktionellen, strukturellen und biochemischen und elektrophysiologischen Veränderungen im gesamten Gehirn. Deshalb sind chronische Schmerzen eine eigenständige Krankheit.

Viele Therapiebausteine gegen den Schmerz

Wer den ständig zu lauten Fehlalarm im Kopf leiser drehen möchte, muss also seinen Körper und seine Psyche gemeinsam therapieren. In der Schmerzklinik vita nova kliniken bekommen die Betroffenen bei ihrem ersten Besuch eine Grunduntersuchung. Dann gibt es immer eine Teamsitzung mit allen Experten unter Leitung des Schmerztherapeuten und es wird ein gemeinsamer und individuell erfolg- versprechender Therapieplan für den Betroffenen festgelegt. Der Betroffene lernt, wie Schmerz entsteht und wie er ihn selbst beeinflussen kann, damit er gelindert wird. Dazu zählen unter anderem körperliche Übungen im Alltagstraining, aber auch Entspannungsübungen und sie nehmen an verhaltenstherapeutisch- edukativen Gesprächen teil.

Auch Schmerzmittel können in der Therapie kurz- oder langfristig eingesetzt werden. Dem Betroffenen muss aber klar sein, dass ihm die Medikamente allein nicht dauerhaft helfen können. In der multimodalen Schmerztherapie sind Medikamente ein Hilfsmittel, damit der Betroffene sich wieder mehr bewegt und am Leben teilnimmt.

Es ist oft zu wenig Bewegung im Alltag.

Viele der Betroffenen stecken in einem Teufelskreis. Sie haben Angst, nur ein paar Schritte spazieren zu gehen. Dadurch verlieren sie aber nach und nach wichtige Muskelmasse, die die Gelenke schützen und den Rücken stärken. Weiterhin kommt es durch die Inaktivität zu schmerzhaften Muskelkontrakturen. Bewegung ist dabei eines der besten “Schmerzmittel”. Die Betroffenen verlassen sich aber lieber ausschließlich auf ihre Medikamente. Während der multimodalen Schmerztherapie lernen sie, wie sie sich richtig bewegen, um ganz alltägliche Aufgaben zu bewältigen, wie etwa eine Getränkekiste zu heben oder einfach aus dem Bett zusteigen. Sie werden wieder aktiviert und kommen aus der Passivität heraus.

Das wichtigste Element bei der multimodalen Schmerztherapie sind die Gespräche. Orthopäden, Neurologen und Physiotherapeuten haben die Betroffenen während ihrer mehrjährigen Leidensgeschichte genug gesehen, einen Psychotherapeuten erstaunlicherweise meist nie. Viele der Betroffenen sitzen einem Psychotherapeuten das erste Mal gegenüber, somit sind sie auch erst einmal skeptisch.

Seelische Probleme verstärken den Schmerz.

Es ist wichtig, dass erst mal geklärt wird, wie Schmerz entsteht und eine chronische Schmerzerkrankung  nichts damit zu tun hat, dass man verrückt ist oder sich die Schmerzen nur einbildet. Es muss herausgefunden werden, warum der Schmerz überhaupt erst chronisch geworden ist und warum er nicht verschwindet. Sind es zum Beispiel Probleme in der Partnerschaft, oder Stress im Beruf oder gab es vielleicht ein traumatisches Erlebnis? Die Psyche spielt bei chronischen Schmerzen eine entscheidende oft schmerzunterhaltende Rolle. So verstärken Depressionen, Angst und Stress die Schmerzen. Aber gleichzeitig kann andauernder quälender Schmerz auch zu depressiven Symptomen führen, was dann die Ausschüttung schmerzhemmender Botenstoffe reduziert. Der Schmerz wird stärker, die depressive Verstimmung aber auch. Die Betroffenen verlieren ggf. mit der Zeit ihre sozialen Kontakte, den Partner und den Arbeitsplatz. Jeder fünfte Betroffene muss wegen seiner Schmerzen seine Arbeit aufgeben.

„Nur die multimodale Schmerztherapie wirkt langfristig“

Bei den Betroffenen bohrt sich der Schmerz in ihre Seele. Dadurch wir die Stimmung gedrückt und überschattet den gesamten Alltag. Verabredungen mit Freunden sind zu anstrengend und werden kurzfristig abgesagt. Es kommt dazu, dass die Freunde nicht mehr angerufen werden und die Betroffenen sich zurückziehen. Das bezeichnen Schmertherapeuten dann als „Sozialen Rückzug“. Es handelt sich um ein gefürchtetes Symptom der chronischen Schmerzerkrankung. Die Betroffenen müssen wieder lernen soziale Kontakte aufzubauen. Mit  Achtsamkeitstraining lernen sie einen Gang runterzuschalten und wieder einen Bezug zum eigenen Körper herzustellen. Sie lernen wo ihre eigenen Grenzen liegen und  wie diese nicht überschritten werden.

Umfangreiche und ausgezeichnete Studien in verschiedenen Ländern und Kontinenten, geben dem Konzept Recht. Nach einer multimodalen Schmerztherapie kann ein großer Teil der Betroffenen nach kurzer Zeit wieder zurück zur Arbeit und in ihr Leben. Somit wirkt die multimodale Schmerztherapie langfristig.

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